Warum sollte das Polyethylen-Schaumstoff Recycling schon vor der vollständigen Anwendung der PPWR geplant werden?
Die neue EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten und gilt ab dem 12. August 2026 allgemein. Die Verordnung erfasst sämtliche Verpackungen und Verpackungsabfälle und verlangt, dass alle Verpackungen, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden, recyclingfähig sein müssen. Dabei tritt insbesondere die Anforderung, dass Verpackungen „in großem Maßstab gesammelt, sortiert und recycelt werden können“, ab 2035 in Kraft.
Am 30. März 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission Leitlinien und FAQ zur PPWR. Diese befassen sich vor allem mit der Definition von Verpackungen, den verantwortlichen Akteuren, Anforderungen an Recyclingfähigkeit und Wiederverwendbarkeit, Beschränkungen für Einwegverpackungen, EPR und weiteren zentralen Themen. Das bedeutet für Unternehmen: Es reicht nicht mehr aus, nur über Verpackungsleistung zu sprechen. Vielmehr muss deutlich früher über konkrete und umsetzbare Lösungen für das Recycling von Verpackungsabfällen nachgedacht werden.

PE-Schaum ist in der Verpackung von Elektronikprodukten, beim Möbelschutz und im Bereich der Verpackung von Automobilteilen weit verbreitet. Typische Beispiele sind Kantenschutzelemente für Möbel oder Zwischenlagen und Polster für den innerbetrieblichen Teiletransport. Viele Unternehmen setzen auf dieses Material, weil es leicht ist und gleichzeitig sehr gute Polstereigenschaften bietet. Gerade aufgrund dieser breiten Anwendung fallen in Hausgeräte-Logistikzentren und Automobilteile-Montagewerken kontinuierlich große Mengen gebrauchter Verpackungsabfälle aus PE-Schaum an.
Für solche Unternehmen ist das Polyethylen-Schaumstoff Recycling längst kein Thema mehr, das man auf später verschieben kann. Vielmehr besteht ein konkreter Bedarf, zeitnah einen realistisch umsetzbaren Recyclingweg aufzubauen. Die Deponierung ist langfristig keine tragfähige Lösung mehr und wird künftig voraussichtlich noch stärker regulatorisch eingeschränkt. Recycling und Wiederverwertung sind die deutlich klarere Richtung.
Das PE-Schaum Recycling ist heute bereits vergleichsweise ausgereift und lässt sich im Wesentlichen in zwei Stufen unterteilen: Volumenreduzierung und Granulierung. Die Volumenreduzierung dient vor allem dazu, das Platzproblem bei anfallenden Produktions- oder Verpackungsabfällen vor Ort zu lösen, die Lagerflächen effizienter zu nutzen und den späteren Transport einfacher sowie kostengünstiger zu machen. Nachgelagerte Verwerter kaufen dann den verdichteten PE-Schaum, verarbeiten ihn weiter zu Regranulat und verkaufen dieses anschließend an Hersteller von Polyethylen-Produkten.

Volumenreduzierung: Das Platzproblem lösen
Für PE-Schaumstoffverpackungen sind derzeit vor allem zwei Verfahren zur Volumenreduzierung verbreitet: Zerkleinerung und Verdichtung.
1. Zerkleinerung
Mit scharfen Spiral-Messern kann ein Schaumstoffzerkleinerer Verpackungsabfälle gleichmäßig auf eine Stückgröße von etwa 1,2 bis 2 Inch zerkleinern. Damit die Partikelgröße möglichst einheitlich ausfällt, ist im Gerät in der Regel ein Sieb integriert. Materialstücke, die die gewünschte Größe bereits erreicht haben, werden direkt über den Auslass ausgetragen und in Säcken gesammelt. Größere PE-Schaumstücke gelangen dagegen zurück in den Zerkleinerungsbereich und werden weiterverarbeitet.
Dieses Verfahren löst vor allem das Problem, dass das Material zu groß, zu sperrig oder zu unregelmäßig ist. Die angesammelten Schaumstoffe werden in handlichere Stücke verwandelt, die sich leichter verpacken, lagern und handhaben lassen. Die eigentliche Reduzierung des Gesamtvolumens ist allerdings im Vergleich zur Verdichtung eher begrenzt.
2. Verdichtung
Im Vergleich dazu setzt die Verdichtung direkter am Volumenproblem an und erreicht in vielen Fällen ein hohes Verdichtungsverhältnis von 50:1 oder sogar 90:1. Ein EPE-Verdichter beziehungsweise PE-Schaum Schneckenverdichter verdichtet das lose Material über eine Schnecke und formt es mithilfe einer thermischen Oberflächenverfestigung oder durch direkte Hochtemperatur-Schmelzextrusion zu kompakten Blöcken.
Diese verdichteten Blöcke lassen sich direkt auf Paletten stapeln und mit Stretchfolie sichern. Dadurch werden die spätere Verladung, der Transport und auch der Weiterverkauf deutlich einfacher.
Dieses Verfahren beseitigt das Problem sperriger Verpackungsabfälle wesentlich gründlicher, da das ursprünglich voluminöse Material in kompakte und gut stapelbare Blöcke umgewandelt wird. Aus diesem Grund ist es derzeit eine der häufiger eingesetzten Methoden im Polyethylen-Schaumstoff Recycling für Logistikzentren und Montagebetriebe der Automobilzulieferindustrie.

Granulierung: Schaumstoff wieder in Rohmaterial verwandeln
Wenn der verdichtete Schaumstoff anschließend zu einem direkt wieder einsetzbaren Rezyklat weiterverarbeitet werden soll, folgt der Schritt der Granulierung. In einer PE-Schaum-Granulierlinie wird der PE-Schaum zunächst kontinuierlich weiter zerkleinert, anschließend bei hoher Temperatur aufgeschmolzen und durch ein Filtersieb von Verunreinigungen befreit. Danach wird das Material zu langen Strängen geformt, über ein Wasserkühlsystem abgekühlt und schließlich in gleichmäßige Granulate geschnitten.
Die so gewonnenen Regranulate aus PE-Schaum können anschließend wieder zur Herstellung von Verpackungen, Polsterelementen, Zwischenlagen und weiteren Produkten eingesetzt werden.
Für Unternehmen mit einem stabilen Abfallaufkommen und dem Ziel, den Materialwert zu steigern, bedeutet PE-Schaum Recycling daher mehr als reine Abfallentsorgung. Es ist vielmehr ein Weg, Verpackungsabfälle wieder in nutzbares Rohmaterial umzuwandeln. Gerade vor dem Hintergrund von Regelwerken wie der PPWR, die Verpackungen zunehmend in Richtung Recyclingfähigkeit und Kreislaufwirtschaft lenken, ist es für Unternehmen besonders wichtig, frühzeitig in das Polyethylen-Schaumstoff Recycling einzusteigen.

Wie sollten Hausgeräte-Logistikzentren und Automobilteile-Montagewerke auswählen?
Die zentralen Anforderungen dieser Betriebe sind meist ähnlich: Verpackungsabfälle sollen umweltgerechter behandelt, die Ansammlung von PE-Schaum reduziert, bisherige Entsorgungskosten gesenkt und möglichst zusätzlich ein gewisser Verwertungswert erzielt werden. In vielen Fällen reicht es deshalb aus, zunächst die Volumenreduzierung umzusetzen – also zwischen Zerkleinerung und Verdichtung zu wählen.
Ein Schaumstoffzerkleinerer ist in der Regel mit geringeren Anfangsinvestitionen verbunden. Er eignet sich daher vor allem für Anwendungen mit komplexeren Materialformen oder für Unternehmen, die Platten, Randbeschnitte und lose Reste zunächst in eine einheitlichere Form bringen möchten. Der Effekt auf das spätere Transportvolumen bleibt jedoch vergleichsweise begrenzt.
Ein EPE-Verdichter beziehungsweise PE-Schaum Schneckenverdichter bietet demgegenüber den Vorteil einer deutlich stärkeren Volumenreduzierung. Er ist besonders geeignet für Unternehmen mit größeren und stabileren Abfallmengen, höherem Lager- und Logistikdruck sowie für Betriebe, die das verdichtete Material verkaufen oder ihr Recyclinggeschäft künftig weiter ausbauen möchten. Allerdings sind bei dieser Technik in der Regel auch die Anforderungen an Investition und Wartung höher.
Kurz gesagt: Wenn die Abfallmengen eher verteilt anfallen und das Budget begrenzt ist, ist die Zerkleinerung oft ein sinnvoller erster Schritt. Wenn das Materialaufkommen stabil ist und Transport- sowie Verkaufseffizienz verbessert werden sollen, ist die Verdichtung in den meisten Fällen die passendere Lösung.

